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20. April 2018
Gesamt-SFB – Blog

Nachbericht zur Langen Nacht der Forschung 2018 - Deutsch in Österreich bei der LNF2018

Wie viele Dialekte gibt es überhaupt in Österreich? Warum werde ich in Österreich diskriminiert, weil ich einen deutschen Akzent habe? Wird der Wortschatz durch die Nutzung von Twitter usw. kleiner? Das ist nur eine kleine Auswahl von den unzähligen Fragen, die wir mit den Besucherinnen und Besuchern der Langen Nacht der Forschung 2018 diskutieren konnten.

Gleich an zwei Standorten in Wien gab es Deutsch in Österreich in allen Variationen und zum Mitmachen.

Varianten-Memory, Lehnwörter-Raten und “Deutsch in Österreich ist für mich …“ am Campus der Universität Wien

Am Campus der Universität Wien war das Hauptprojekt vertreten: Bei einem Varianten-Memory konnten alle raten, ob man „Vogerlsalat“, "Aprikose“ oder „Mülleimer“ primär in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sagt. Außerdem war Kreativität beim Ausfüllen von Comics und Intuition beim Ausfindigmachen der Lehnwörter aus einer anderen Sprache in einem deutschen Text gefragt: Sind „Grenze“, „Schnaps“ oder „Golatsche“ typisch österreichische Begriffe oder stammen sie eigentlich aus anderen Sprachen?

Vor allem unsere bunten Postkarten, insbesondere jene mit „So sehr ich mich auch bemühe, irgendwie scheinen es die Menschen immer zu bemerken, dass ich aus Oberösterreich bin“, zauberten vielen Besucherinnen und Besuchern ein Lächeln auf die Lippen und wurden von den Wissenschaftsinteressierten gerne mitgenommen. Denn es gab einige, die im Verwandten- oder Bekanntenkreis, Personen kannten, die ihre oberösterreichischen Wurzeln sprachlich nur schwer verbergen konnten.

 

„Deine Frage zu Deutsch in Österreich“ und Comics mit Sprache zum Leben erwecken hieß es dagegen am Heldenplatz

Beim Citizen-Science-Stand am Heldenplatz wiederum, lag der Schwerpunkt auf dem aktiven Einbinden der Interessierten. Mit dem sogenannten Wimmelbild, auf dem Menschen unterschiedlichen Alters in diversen Situationen, z.B. beim Sport, bei der Brauchtumspflege, in der Uni oder in öffentlichen Verkehrsmitteln in Stadt und Land äußerst kreativ dargestellt sind, wollten wir mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch kommen.

Besonders anziehend wirkte auch „Deine Frage zu Deutsch in Österreich“. Interessierte konnten Fragen, die ihnen beim Thema Deutsch in Österreich unter den Nägeln brannte, auf bunte Zettel schreiben und auf die Wand kleben. Innerhalb weniger Stunden fanden sich dort Fragen wie: „Wie viele Dialekte gibt es in Österreich?“, „Warum heißt es bei immer mehr Familien auch zu Hause „schön sprechen“?“, „Warum passen wir uns sprachlich an unseren Gesprächspartner an?“, „Wie hilft Dialektkenntnis beim Erlernen der deutschen Rechtschreibung? Z.B. der Unterschied zwischen „dass“ und „das“?“ „Reicht es aus, bestimmte Wörter auszutauschen, um Österreichisch zu klingen, z.B. „Fetzen“ statt „Lappen“ oder „Stiege“ statt „Treppe“ zu sagen? oder „Macht Dialekt sympathisch?“. Je mehr Fragen auf der Wand klebten, umso lieber lasen sich die Vorbeikommenden die Fragen der anderen durch. Außerdem bildeten diese Fragen eine gute Gesprächsgrundlage. So erfuhren auch wir vieles von den Interessierten selbst. Ein Besucher erzählte zum Beispiel, dass seine Oma in der Schule noch Diktate im Dialekt schreiben musste.

Eine andere Interessierte wiederum erzählte, dass sie die Erfahrung gemacht hat, dass man sich nicht in jedem Bundesland gleich begrüßt. So gibt es regionale Unterschiede, wo man in erster Linie „Guten Tag“, „Grüß Gott“ oder einfach nur „Hallo“ sagt.

Besonders erfreulich war, dass wir einem Besucher aus Deutschland endlich erklären konnten, woher das Wort „Teebutter“ kommt, denn das habe er immer schon wissen wollen. In Deutschland gäbe es so etwas nicht und er habe sich deswegen auch bei der Verkäuferin erkundigt.

 

Da sich unsere Fragenwand immer mehr füllte, erwarteten einige Besucherinnen und Besucher, dass sie bei uns auch Antworten zu all diesen Fragen erhalten werden. Unser Hauptprojekt hat zwar bereits Zwischenergebnisse in einigen Bereichen, aber viele der gestellten Fragen, wurden auch von der Wissenschaft teilweise noch nicht eingehend erforscht. Deshalb ist es ein Ziel des Citizen-Science-Projekts, den Forschergeist der Menschen zu wecken. Sie sollen selbst Fragen zu Deutsch in Österreich stellen und sich auf die Suche nach Antworten machen.

Auch am Heldenplatz konnten die Besucherinnen und Besucher Comics mit Sprache zum Leben erwecken. Das Ausfüllen der leeren Sprechblasen im Comic war eine nette Beschäftigung für Jung und Alt. Der eine oder die andere ließ sich auch gerne von der Muse ‑ ihren Begleitpersonen ‑ inspirieren. Die Ergebnisse sind äußerst amüsant und die kreativsten Comics werden auf unserer Website und Social Media präsentiert werden. Nach dem Ausfüllen konnte man den Comic auf den Achsen Standard ‑ Non-Standard (also „Hochdeutsch“ ‑ „Dialekt“) und Nähe-Distanz (also, ob sich die Personen nahestehen oder nicht) einordnen. Interessanterweise wurde der Großteil der Comics in der „Ecke“ Nähe und Non-Standard eingeordnet. In den Comics sprachen also Bekannte oder Verwandte in der Umgangssprache oder Dialekt miteinander.

 

Andrang bis zum Schluss

An die 400 Forschungsinteressierten erhielten an unseren beiden Ständen einen Einblick in die Tätigkeitsbereiche des SFB „Deutsch in Österreich: Variation ‑ Kontakt ‑ Perzeption“ und des Citizen-Science-Projekts „In aller Munde und aller Köpfe ‑ Deutsch in Österreich“ und konnten sich mit uns über ihre Eindrücke zu und ihre Erfahrungen mit dem Thema Deutsch in Österreich unterhalten und austauschen.

Am Heldenplatz war unser Stand sogar noch nach dem offiziellen Ende um 23 Uhr gut besucht. Einige wollten unbedingt noch einen Comic ausfüllen oder mit uns über die formelle Anrede im Deutschen im Vergleich zu anderen Sprachen sprechen.

Gegen halb 12 neigte sich dann aber auch für uns der Tag seinem Ende zu. Nach einem Gruppenfoto mit den anderen Ausstellerinnen und Ausstellern, die beim Communication Hub des WTZ Ost mitgemacht hatten, packten auch wir die vielen spannenden Fragen der Besucherinnen und Besucher sowie kreativen Comics ein und freuen uns auf die Durchsicht. 

 

 



Zitation
Creative Commons Lizenzvertrag
Heinisch, Barbara (2018): Deutsch in Österreich bei der LNF2018. In: DiÖ-Online.
URL: https://dioe.at/details/artikel/1146/
[Zugriff: 23.05.2018]
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