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30. August 2018
Gesamt-SFB – Blog

Kinderuni Wien 2018: Der eigenen Sprache auf der Spur

„Wir stellen die Uni auf den Kopf“ hieß es wieder vom 9. – 20. Juli 2018. Zum 16. Mal fand die Kinderuni Wien statt. Gemäß dem Motto stellten mein Dissertationsbetreuer, Manfred Glauninger, und ich, Lisa Krammer, im Rahmen unseres Kinderuni-Workshops „Der Sprachabschneider – Existiert er auch in deiner Sprache?“ die Uni - zumindest sprachlich - auf den Kopf:

Du hörst, liest und verwendest sie täglich – Sprache(n).

Als Sprachwissenschafter bzw. Sprachwissenschafterin begibst du dich auf ein Abenteuer. Fordere den Sprachabschneider heraus und gehe mit einem Schatz nach Hause!

Wir waren bereit für das Abenteuer und die Kinder der Altersgruppe 10-12 Jahre freuten sich ebenso darauf.

 

Nachdem wir uns und unsere Sprachen (Welche Sprachen/sprachlichen Erscheinungsformen spreche bzw. kenne ich?) kurz vorgestellt haben, starteten wir mit folgendem Zitat aus dem Buch „Der Sprachabschneider“ von Hans Joachim Schädlich:

Ich gehe Sportplatz.

(Schädlich 2016: 27)

„Das sage ich auch immer so!“, merkte sogleich ein Kind an. „Da fehlt doch etwas!“, stellte wiederum ein anderes Kind fest. Nachdem wir alle Assoziationen gesammelt und uns darüber ausgetauscht hatten, war es nun an der Zeit, den Sprachabschneider kennenzulernen. – Zumindest teilweise kennenzulernen… Denn beim Erzählen der Geschichte wurden die Illustrationen des Buches gezeigt, jedoch nicht die Figur des Sprachabschneiders.

… Paul und der Sprachabschneider gehen einen besonderen Deal miteinander ein: Der Sprachabschneider erledigt Pauls Hausübungen und Paul gibt ihm dafür etwas von seiner Sprache ab.

„Wie soll ich dir meine Präpositionen oder so was geben. Die hab ich doch nicht im Schrank”, sagt Paul.  „Du sagst einfach, dass du sie mir gibst, und fertig. Du kriegst natürlich ‘ne Quittung”, antwortet der Sprachabschneider.

(Schädlich 2016: 24)

Gesagt getan. Und im nächsten Moment sagt Paul: „Ich gehe Sportplatz“. „Ich war Fußballtraining“ (Schädlich 2016: 27f.). Der Sprachabschneider hat jedoch mit den Präpositionen nicht genug. Als nächstes möchte er die bestimmten Artikel, dann die Verbformen (außer den Infinitiv) haben und so weiter …. bis sich Paul nicht mehr adäquat ausdrücken kann.

Wie sieht der Sprachabschneider aus? Wie verhält er sich? Was trägt er bei sich? Hat der Sprachabschneider einen Namen? Kann er auch weiblich sein? Und wie bekommt Paul seine Sprache zurück? Bekommt er sie überhaupt zurück? Diese Fragen beschäftigten die Kinder bei der anschließenden Partnerarbeit. Sie zeichneten ihren individuellen Vorstellungen entsprechend den Sprachabschneider bzw. die Sprachabschneiderin und überlegten sich das Ende der Geschichte. Und dabei sind diese Kunstwerke entstanden:

Die Sprachabschneiderin Gabi

 

Die Sprachabschneiderin Gabi will auch die Pronomen haben. Auch diesen Deal geht Paul mit ihr ein. Pauls Mutter geht mit ihm zum Sprachwissenschafter. Dieser findet anfangs die Ursache nicht. Plötzlich geht ihm ein Licht auf. Er schaut in alten Büchern nach und entdeckt ein Bild vom Sprachabschneider bzw. der Sprachabschneiderin. Er stellt fest, dass dagegen nur ein Kraut gewachsen ist: Paul muss eine Lehre bei einem Sprachbeschwörer machen. Nach nur zwei Stunden wird er wieder richtig reden können. Und es gelingt ihm!

Die Sprachabschneiderin alias Die Wortklauerin

  

Paul wird einfach selbst zum Sprachabschneider und kommt so wieder zu seiner Sprache.

Der Sprachabschneider alias Graf von Wörter

  Paul hatte Glück. Der Sprachabschneider machte nämlich einen Fehler: Der Vertrag lief bereits nach einer Woche aus.

Die Sprachabschneiderin Amela

 

Die Sprachabschneiderin Amela nimmt einfach die Sprache von Pauls bestem Freund.

Nach einem sprechtechnischen Aufwärmspiel machten wir uns gemeinsam auf die Suche. – Nach dem Sprachabschneider bzw. der Sprachabschneiderin in unserer eigenen Sprache. Gibt es Wörter/Phrasen, die ich nicht mehr verwende? Gibt es besondere Wörter, die meine Eltern bzw. Großeltern häufig benutzen? Verwende ich Anglizismen wie Download und Milkshake? Nachdem wir unseren eigenen Sprachabschneider bzw. Sprachabschneiderin im Rahmen einer Diskussion herausgefordert haben, galt es nun einen wohl verdienten Schatz mit nach Hause zu nehmen. Als Erinnerung an den Sprachabschneider bzw. die Sprachabschneiderin gestalteten die Kinder persönliche Lesezeichen. Entweder mit einem Wort, welches man einem nicht wegnehmen darf oder mit einer Selbstbeschreibung mit maximal sechs Wörtern (Mein Leben in sechs Wörtern).

 

 

   

   

Während des kreativen Schaffens wollten wir Musik, konkret „Wenn Worte meine Sprache wären“ von Tim Bendzko, sprechen lassen. Schlussendlich waren aber einfach die Gespräche mit den Kindern, der Austausch über die eigenen und fremden SprachabschneiderInnen weitaus spannender, sodass wir völlig darauf vergessen hatten.

  

P.S.: Weitere kreative Zeichnungen und Fortsetzungsgeschichten werden sehr gerne entgegengenommen. Und wer das tatsächliche Ende der Geschichte „Der Sprachabschneider“ erfahren möchte – wir freuen uns über eine Nachricht! :)



Zitation
Creative Commons Lizenzvertrag
Krammer, Lisa (2018): Kinderuni Wien 2018: Der eigenen Sprache auf der Spur. In: DiÖ-Online.
URL: https://dioe.at/details/artikel/1327/
[Zugriff: 18.11.2018]
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