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01. April 2017
Cluster C – Blog

C wie Contact, C wie CENTRAL: Interuniversitäre Zusammenarbeit im Rahmen des CENTRAL-Kollegs im WS 2016

Interdisziplinärer Kontakt

Task Cluster C des SFB „Deutsch in Österreich“ steht in mehrerlei Hinsicht ganz im Zeichen des Kontakts, der über die rein inhaltliche Ebene, die Beschäftigung mit Sprachkontakt, hinausgeht. Die beiden Teilprojekte, aus denen es sich zusammensetzt, sind institutionell am Institut für Slawistik der Universität Wien verankert. Daher gewährleisten wir in unserem gemeinsamen Wiener SFB-Büro alltäglich interdisziplinären Kontakt in der Bearbeitung von germanistischen und slawistischen Fragestellungen. Dabei können wir natürlich nicht nur unsere Expertise in Bezug auf Buchteln, Bier und andere Stereotype einbringen, sondern tauschen uns vor allem auch fachlich aus.

Task Cluster C ist natürlich auch in andere wissenschaftliche Netzwerke und Kooperationen eingebunden als die germanistischen SFB-Teilprojekte.

Interuniversitärer Kontakt

Eine dieser Kooperationen wurde im Rahmen des CENTRAL-Netzwerks institutionalisiert. Dabei handelt es sich um ein vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) der Bundesrepublik Deutschland finanziertes und von der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin ausgehendes Austauschprojekt. Das Akronym CENTRAL steht für „Central European Network for Teaching and Research in Academic Liasion”. Das Projekt soll also die Hauptstadtuniversitäten der zentraleuropäischen Staaten Österreich, Deutschland, Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik forschungsthemenspezifisch zusammenbringen. Im Rahmen dieses Netzwerks arbeitet die Wiener Slawistik mit dem Institut für Slawische Sprachen der HU Berlin und dem Institut für Tschechische Sprache und Kommunikationstheorie der Prager Karlsuniversität zusammen.

Sprachkontakt

Thematisch beschäftigt sich diese Kooperation mit – wie könnte es anders sein? – Sprachkontakt, genauer gesagt mit der so genannten arealen Konvergenz ostmitteleuropäischer Sprachen. Deutsch, Polnisch, Slowakisch, Tschechisch und Ungarisch verbinden nämliche bemerkenswerte Ähnlichkeiten auf unterschiedlichen sprachlichen Ebenen. Und diese Ähnlichkeiten wiederum können nicht (ausschließlich) über die „Verwandtschaft“ der entsprechenden Sprachen erklärt werden, handelt es sich doch bei ihnen um Sprachen aus verschiedenen Zweigen der indoeuropäischen Sprachfamilie (Germanisch vs. Slawisch) und auch um eine nicht-indoeuropäische Sprache, das Ungarische. Daher wird davon ausgegangen, dass sich diese Ähnlichkeiten durch den engen Kontakt der Sprachen entwickelt haben.

Persönlicher und virtueller Kontakt

Getragen werden solche Kooperationen natürlich v. a. von Einzelpersonen, von Lehrenden und Studierenden, von Forscherinnen und Forschern auf allen Ebenen – und diese sollten sich im besten Fall kennen und in Kontakt zu einander stehen, um zusammenarbeiten zu können. Hier beginnt nun die Geschichte des CENTRAL-Kollegs aus der Überschrift:

Im Juni 2016 trudelt eine Ausschreibung des CENTRAL-Netzwerks ein: Zwei CENTRAL-Kollegs seien für den Zeitraum Herbst 2016 ausgeschrieben. Dabei handelt es sich um Forschungsprojekte für Studierende, die von aus Nachwuchswissenschafterinnen und/oder Nachwuchswissenschaftern bestehenden Dreierteams zu einem beliebigen Thema organisiert und gestaltet werden. Das Organisationsteam muss dabei von drei verschiedenen Partneruniversitäten stammen. Gefördert wurden konkret zwei Reisen nach Berlin, zu einem Auftakt- und einem Abschlussworkshop an der Humboldt-Universität. Nun, klingt gut, nicht wahr?

Nur: Was tun, wenn man einfach noch keinen wissenschaftlichen Nachwuchs an den beteiligten Universitäten persönlich kennt, weil das Projekt, in dem man arbeitet, erst vor sechs Monaten begonnen hat? Glücklicherweise sind unsere Ansprechpersonen bestens miteinander vernetzt – die sind ja schon etwas länger im Geschäft – und so wurden für uns Kontakte zwischen uns geknüpft: Meine Kolleginnen Uliana Yazhinova von der HU Berlin, Karolína Vyskočilová von der Karlsuniversität und ich schrieben innerhalb weniger Tage, verbunden nur über das E-Mails und Skype einen Antrag, der zu unserer Freude und unserem Erstaunen auch bewilligt wurde – wir konnten also starten, wiederum über E-Mails und Skype unser Projekt inhaltlich auszugestalten, Studierende zu akquirieren, Flüge und Hotels zu buchen.

Unser CENTRAL-Kolleg trug übrigens den Titel „Empirische Perspektiven auf arealtypologische Aspekte des Sprachkontakts und Sprachwandels“. Auszüge aus unserem Abschlussbericht an die HU Berlin sind hier abrufbar (s. auch unten) – in diesem sind auch erste Ergebnisse nachlesbar.

In Kontakt bleiben

Persönliche Kontakte gehen über virtuelle und so waren wir froh, einander bei unserem Auftaktworkshop auch tatsächlich kennenlernen zu können. Dennoch galt für uns, was auch für den SFB als Ganzes gilt: In der Wissenschaft rückt die Welt zusammen; oft ist Zusammenarbeit nur über große Distanzen hinweg und eben nicht persönlich möglich. Eine Situation wie uns unserem SFB-Büro in der Wiener Porzellangasse ist ein Glücksfall; wollen wir mit unseren Kolleginnen und/oder Kollegen aus den Grazer oder Salzburger Teilprojekten einen Kaffee trinken, müssen wir dies jedoch auch SFB-intern über den Videochat tun.

Auch diese Ebene wollten wir den an unserem CENTRAL-Kolleg teilnehmenden Studierenden vermitteln, die daher in internationalen Teams zusammen an einem Thema arbeiteten und vor dieselben Herausforderungen gestellt waren, wie wir selbst. Wir verstanden unseren Workshop ganz im Zeichen forschenden Lernens – und das nicht nur auf der inhaltlichen Ebene, sondern auch auf der organisatorischen: Eine solche Form der Zusammenarbeit muss auch gelernt und unterstützt sein. Nur dass wir kein PP11 hatten, das uns Tools zur Unterstützung anbietet.

Und nun? Nach Abschluss des Projekts heißt es auch für uns, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Wir haben vor, gemeinsam mit den Studierenden unsere Ergebnisse auf verschiedenen Konferenzen, z. B. auf der Linguist(ic)s Prague, zu präsentieren, zu publizieren – und natürlich planen wir auch eine Fortsetzung unseres Projekts. Über E-Mail und Skype.

Das CENTRAL-Kolleg wurde vom DAAD und BMBF gefördert.




Zitation
Kim, Agnes (2017): C wie Contact, C wie CENTRAL. In: DiÖ-Online.
URL: https://dioe.at/details/artikel/602/
[Zugriff: 18.11.2018]
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